Tagesimpuls 16.09.2019

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Nun liegst du hier
Es gibt nichts mehr zu geben
Nichts mehr zu verlieren
Hast gekämpft, gerungen,
Dich gewehrt und gesperrt
Bist gerannt, gesprungen
Hast dich gedreht und gedreht,
Die Orientierung verloren.
Du bist durch die tiefe Dunkelheit hindurch,
Trotz Angst und Unsicherheit.
Erschöpft küsst du den Boden.
Es gibt nichts mehr zu geben,
Nichts mehr zu verlieren.
Du atmest
Lauscht deinem Atem
Spürst deinen Herzschlag
Fühlst deine Seele
Endlich

Ein leiser, lauer Windhauch streichelt Christians müdes Gesicht. Die letzten Wochen und Monate waren hart, sehr hart. Sein abgekämpftes Gesicht ruht in seinen Händen, während er am Esstisch saß, seine Arme aufgestützt, zu schwach um noch gerade sitzen zu können und ins Leere schaute. Im Hintergrund lief dezent seine Lieblingsmusik, um diese unerträgliche Stille zu vernichten. Es ist nichts mehr so, wie es war. Sein ganzes Leben liegt in Scherben….alles, wofür er jemals eingestanden ist, was ihm so wichtig war, hat keinerlei Bedeutung mehr. Eine leise Träne läuft zärtlich über seine Wangen.
Vor nicht allzu langer Zeit war Christian – ein gestandener Mann, sportlich und aktiv, stets orientiert nach Erfolg und Lusterfüllung, das blühende Leben selbst. Er genoss sein Leben, hatte hier und da die ein oder andere Bekanntschaft..es ging ihm gut. Es brodelte zwar stellenweise unter der Oberfläche seiner mächtigen Schutzrüstung, doch das tangierte Christian nicht, der Verdrängungsmechanismus war schlichtweg ein zu guter Freund geworden. Die gewohnten Vermeidungsstrategien wirkten und das war gut so – bot das Leben doch hinreichend Abwechslung und spannende neue Amüsements.
Bis zu dem Moment wo die kaum hörbaren, schwelenden Kobolde sich nicht mehr beruhigen ließen. Immer lauter und vehementer klopften die unterdrückten Emotionen gegen die Mauern der Verdrängung.
Alles Unbewältigte, Ignorierte ließ sich nicht mehr aufhalten…die Mauer des Schweigens, die schwere Rüstung der Unterdrückung zersplittert wie dünnes Glas unter dem immensen Druck….

Es gleicht einer riesigen Welle. Anfänglich suggeriert unser Verstand, man habe alles unter Kontrolle, alles im Griff. Wir surfen mit dem Brett des Lebens waghalsig und übermütig auf den tosenden Wogen des Meeres, wohl wissend, dass sich am Meeresgrund ein Pulverfass der unterdrückten Emotionen befindet. Das funktioniert auch eine ganze Weile gut und man meint tatsächlich, alles weiter so handhaben zu können..jedoch ist die Lunte vom Pulverfass schon lange entzündet worden und alles nur eine Frage der Zeit, wann die Bombe hochgeht.
Im Moment der Explosion , werden wir gnadenlos überrollt. Die Wucht der Welle unserer eigenen Emotionen sind überwältigend  und schmettern uns schmerzhaft auf den Grund der eigenen, wahrhaftigen Essenz.
Wie im oben genannten Beispiel ist uns in diesen Momenten keine Wahlmöglichkeit  mehr gegeben….ein auseinandersetzen mit sich selbst ist unumgänglich, die Schleier der Verdrängung und die verführerischen illusorischen Ablenkungen sind in sich selbst zerfallen.
Hier liegt nun unsere größte und unverhüllte Chance:
Zu erkennen wer wir wirklich sind, was wir tatsächlich vom Leben möchten und wo unsere Erfüllung liegt.

 

Bildquelle: pexels.com
Text: Yvonne Fitzner

P.S.: Meine Impulse dürfen gerne mit Hinweis auf Website und Urheber bitte vollständig und ungekürzt geteilt und weitergeleitet werden.

 

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